Ein Wohnquartier als energetisches Vorzeigeprojekt – die „Nullenergiestadt“ Mietraching

Am 15.06.2016 nahmen die Mitglieder des Runden Tischs „Energieforum der Region IngolStadtLandPlus“ und des Kompetenzzentrums Plusenergiebebäude an einer  Informationsfahrt zur „Nullenergiestadt Mietraching“ teil.

Die Informationsfahrt wurde von der Fachstelle Energie und Klimaschutz des Landratsamtes Pfaffenhofen a.d.Ilm organisiert und fand durchweg positive Resonanz.

Pressemittelung Landradsamt Pfaffenhofen

Pfaffenhofen 01.07.2016

Ein Wohnquartier als energetisches Vorzeigeprojekt – die „Nullenergiestadt“ Mietraching

Wie zukunftsfähiges Bauen in einem ganzen Quartier aussehen kann, zeigt ein energetisches Vorzeigeobjekt im Bad Aiblinger Ortsteil Mietraching (Landkreis Rosenheim). Unter Organisation der Fachstelle Energie und Klimaschutz des Landkreises Pfaffenhofen a.d.Ilm hat sich kürzlich eine Gruppe von Bürgermeistern und Kommunenvertretern aus dem Landkreis Pfaffenhofen a.d.Ilm zusammen mit Energiefachleuten aus der Region und Seminaristen der FOS/BOS Scheyern auf den Weg gemacht, um die „Nullenergiestadt Mietraching“ zu besichtigen.

Auf dem Gelände eines aufgelassenen, ehemaligen Militärstützpunktes der US-Amerikaner hat ein privater Dienstleister für die Wohnungswirtschaft, die B&O Wohnungswirtschaft, das Thema „Energieeffizienz“ im städtebaulichen Maßstab umgesetzt.

Auf den ersten Blick besticht das Quartier mit der parkähnlichen Struktur mit altem Baumbestand, der gemischten Nutzungsstruktur und dem Nebeneinander verschiedener Bauformen – besonders auffallend der 8-Geschoßer in Holzbauweise. Richtig interessant wird es allerdings, wenn man tiefer ins Detail geht. Auf den rund 70 ha gibt es Wohn- und Unterkunftsgebäude, des Weiteren Bildungseinrichtungen, Sport- und Hotelanlagen, heilpädagogische Einrichtungen sowie Werkstätten, Hallen und Bürogebäude. „Insgesamt handelt es sich um 52 Gebäude mit 150 Wohneinheiten und etwa 600 Arbeitsplätzen“, so Dr. Martina Klingele von B&O der Gruppe erläutert. Zu den Grundsätzen des Modellquartiers zähle die Nutzungsmischung: Wohnen, Arbeiten und Kinder sollen an einem Ort möglich sein.

Die Gebäude selbst haben unterschiedliche Energiestandards, auch kommen verschiedenste Technologien zu Einsatz, denn aus dem Modellquartier sollen Erfahrungen für die Wohnungswirtschaft gesammelt werden. Im größtenteils aus den 1930er Jahren stammenden Wohngebäudebestand wurden daher unterschiedliche Modernisierungs- und Sanierungsstandards umgesetzt, die Neubauten – darunter Einzel-, Doppel- und Reihenhäuser und auch Geschoßwohnungsbau – wurden allesamt als innovative, architektonisch hochwertige Holzbauten in Niedrigenergiebauweise errichtet.

Begeistert zeigten sich die Exkursionsteilnehmer auch von der Gestaltung der so genannten „Heizikone“, einem Biomasseheizwerk mit Kessel, Steuerung, Filter und Anlieferungstechnik. „Die Vorgabe zur Gestaltung lautete: So schön, dass man es auf den Marktplatz stellen kann“, so Dr. Klingele.

Denn die Strom- und Wärmebereitstellung für das Quartier erfolgt dezentral und nachhaltig. Biomasse, Solarthermie, Solarstrom und Wärmepumpen werden zur Energieversorgung genutzt. Doch nutzt die beste Technik nichts, wenn die Bewohner nicht mitziehen. Zur Steigerung der Energieeffizienz spiele laut Dr. Martina Klingele auch die Nutzersensibilisierung eine Rolle.

Landrat Martin Wolf ist angetan vom Quartier: „Insgesamt sind die Technologien natürlich bekannt. Das Faszinierende ist allerdings, was entstehen kann, wenn ein Projekt von Anfang an mit sämtlichen Parametern durchdacht für eine größere räumliche Einheit umgesetzt wird. Von Mietraching werden wir sicherlich Ideen und Visionen für uns und unsere Arbeit mitnehmen“.

Das Projekt „Nullenergiestadt Mietraching“ wurde unter anderem vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert und war ein Modellprojekt der Forschungsinitiative EnEff:Stadt.

Bilder: Marina Landau-Orth

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